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20. Dez 2009 gegen 00:30 Uhr

Philipp & Hugo starten ins Leben – ein Mama-Bericht

Eigentlich ging es mir die letzten Wochen und Tage richtig gut. Keine Wehen, keine Schmerzen – nix. Alles toll, noch nicht mal irgendwelche SS-Wehwehchen. Ich fühlte mich pudelwohl. Meine 1,26 cm Bauchumfang störten mich überhaupt nicht, ganz im Gegenteil ich fand meinen Bauch einfach nur toll.

Am Dienstag Abend (08.12.) telefonierte ich noch eine Stunde mit Thomas, der ja in Itzehoe war. Komischerweise fragte ich ihn im Telefonat, ob er denn sofort angerufen werden möchte, wenn irgendwas ist, und ob er denn auch gleich kommen würde. (ich weiß komische Frage – seine Antwort war ja auch „Na klar, was für eine Frage…“)Gegen 21.30 Uhr hatte ich dann so einen leichten Druck nach unten, machte mir aber nichts daraus, weil ich dachte, dass sich mal wieder einer der beiden Jungs mit dem Kopf nach unten dreht. Gegen 22 Uhr wurde der Druck dann aber ganz schön heftig, aber ich spürte keine Wehen. Das machte mich dann schon stutzig. Als ich dann auf die Toi musste, sah ich, dass ich Blutungen hatte. Da wurde mir extrem anders. Ich rief dann nur meine Tante an, dass sie schnell kommen sollte, da Jakob ja schon schlief. Dann rief ich nur Thomas an, und sagte ihm, was los war und das ich einen Rettungswagen rufen würde. Er verstand natürlich nur Bahnhof – hatte ja selbst schon geschlafen. Als meine Tante dann endlich kam, rief ich den Rettungswagen, der auch gleich kam. Naja, dann spürte ich Wehen, die schon alle 3 Minuten kamen. Mit Blaulicht und Tatü Tata (das volle Programm also -ich hoffe, das kostet nichts extra) bin ich dann ins KH und gleich in den Kreißsaal. Im Wehenzimmer wurde erstmal CTG geschrieben, wobei die Hebamme keine Herztöne finden konnte. Ich kann Euch nicht sagen, was für Ängste man in diesem Moment durchsteht.

Bei der US-Untersuchung stellte sich aber schnell heraus, dass es den beiden Jungs gut geht. Leider stellte die Ärztin auch fest, dass der MuMu bereits 2-3 cm auf ist. Sie hat sich dann mit den Hebammen und einem weiteren Arzt beratschlagt, ob sofort ein Not-KS gemacht wird, oder ob sie noch versuchen, mir die Lungenreife für die Kinder zu geben. Um den Kindern einen besseren Start zu ermöglichen, wollten Sie die Lungenreife versuchen. Also bekam ich Wehenhemmer, von denen man totale Zitteranfälle bekam. Das war mir natürlich total egal – ich wollte meine Kinder einfach nur noch im Bauch behalten. Ich wurde dann zur Beobachtung in den „Blauen“ Kreißsaal gebracht, in dem lag ich auch bei Jakobs Entbindung. Dort lag ich dann von 0.00-8.00 Uhr morgens. Die Wehenhemmer schlugen auch erst gut an, so dass ich erstmal auf Station kam. Im Kreißsaal habe ich dann auch noch mal Thomas angerufen, und ihm gesagt, dass er so schnell wie möglich kommen soll, da es mit den Jungs los geht. (ich glaub, der war auch geschockt, denn er meinte dann so: „Also bist du morgen wieder zu Haus?“ – dann brach es aus mir natürlich raus und ich musste einfach nur heulen und sagte: „Schatz, ich komme nicht mehr nach Haus, die Kleinen kommen jetzt.“) Keiner konnte mir zu diesem Zeitpunkt sagen, ob die Zwillis kommen, oder ich vielleicht doch noch ein paar Tage heraus schinden konnte.

Am Mittwoch (09.12.) morgen war Thomas dann auch endlich da. Da die Wehenhemmer auch gut wirkten und ich kaum noch Wehen hatte, schickte ich Thomas erstmal nach Haus, Jakob abholen. Beide besuchten mich noch am Nachmittag im KH. In weiser Voraussicht sagte ich zu Thomas, er möge bitte die Kamera mitbringen, da es ja vielleicht die letzte Möglichkeit für ein Bauchbild wäre.
Schon während des Besuchs der Beiden, spürte ich wieder so einen komischen Schmerz, aber das CTG zeigte nichts an. Was mir total komisch vor kam. Als Thomas und Jakob dann wieder los sind, war es so gegen 18 Uhr. Ich ließ dann die Ärztin kommen und fragte sie nur, ob sich der MuMu auch weiter öffnen könnte, ohne dass man Wehen hätte. Sie meinte, im Einzelfall könnte das schon mal vorkommen. Sie untersuchte mich dann und der MuMu war bereits auf 5 cm auf. Tja, ab da gab es dann kein halten mehr. Ich rief Thomas dann nur schnell an (18.27 Uhr), und sagte, er könne gleich wieder umdrehen, da ich nun wieder in den Kreißsaal käme. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch gehofft, wenigstens mit einer PDA entbinden zu können, damit ich wenigstens etwas mitbekommen könne.

Im Kreißsaal habe ich schon während des Reinschiebens von der Chefärztin (ich hatte die totale Prominenz zur Entbindung dabei) so ein Zeug in die Hand bekommen, was ich gleich schlucken solle. Sie sagte dann nur, dass sie den KS unter Vollnarkose machen müssen. Da musste ich natürlich auch wieder weinen, weil ich wieder von nichts was mitbekommen würde. Naja, es hat halt nicht sollen sein. Das ging dann auch alles total schnell – rauf auf den OP-Tisch, Narkose und „unten fertig machen“ liefen gleichzeitig ab. Und ehe ich mich versah, lag ich im Land der Träume.

Im Aufwachraum sah ich dann schon Thomas, der auf mich wartete. Die Ärzte erzählten im dann den OP-Verlauf, ich habe nicht so viel davon mitbekommen. Irgendwie ging mir das dann doch alles viel zu schnell. Thomas versuchte mich dann auch zu trösten und meinte nur, dass ich das alles ganz prima gemacht habe. Naja, ich fand das überhaupt nicht prima von mir. Dann kam der Chefarzt der Neonatologie mit Hugo in den Aufwachraum, so dass wir einen kleinen Blick auf unseren Sohn werfen konnten. Da musste ich auch schon wieder weinen, weil er einfach nur klein und zerbrechlich aussah. Es zog sich einfach nur das Herz zusammen. Zu diesem Zeitpunkt konnten wir unseren Kindern auch noch nicht mal die Namen geben, da wir ja nicht wußten wer wer ist.

Während ich dann auf die Wochenbettstation kam, ist Thomas zu unseren Zwillis auf die Neo. Dort konnte er dann schon mit den ersten Ärzten sprechen. Als er wieder zu mir kam, sah man ihm schon an, dass er es auch nicht fassen konnte, wie klein die Beiden sind.

Tja, von der OP habe ich mich sehr schnell erholt. Gegen 3 Uhr morgens bin ich dann schon wieder aufgestanden (allein, darf man eigentlich nicht, aber ich konnte nicht mehr liegen). Morgens bin ich dann auch gleich duschen gegangen und bin dann vormittags mit Thomas das erste Mal zu unseren Kindern. Das war dann auch wieder sehr ergreifend für mich – einfach nur unfassbar. Die Schwestern und Ärzte die dann aber zu uns kamen, machten uns aber Mut. Unsere beiden Zwerge machen das „Alles“ schon ganz prima, und machten auch schon mehr, als sie eigentlich machen müßten. Sprich sie bekamen nur CPAP (Atemhilfe) und die Verdauung klappte auch schon ohne Probleme.

Beide hatten in den kommenden Tagen an Gewicht verloren, was aber normal ist, da die Beiden die Wassereinlagerungen aus geschwemmt hatten. Bei Hugo gibt es noch Geräusche am Herzen, weil diese eine Aorta (ich weiß den genauen Namen jetzt nicht) noch nicht verschlossen hat. Dies wird jetzt mit Rücknahme von Flüssigkeit bzw. Medikamenten versucht. Sollte dies auch nicht helfen, wird Hugo operiert werden müssen. Aber die Ärzte sind da sehr zuversichtlich. Bei Philipp musste ein Medikament, welches die Herzfrequenz erhöht, verändert werden, da seine Herzfrequenz gestern ein paar Mal zu niedrig war. Es geht ihm jetzt aber wieder gut. Generell kann man im Moment sagen, dass es Beiden gut geht. Seit 6 Tagen sind beide ohne CPAP, Beide trinken bereits die ersten ml Muttermilch aus kleinen Saugern (in den Rest gibt es per Sonde) und Beide nehmen seit 6 Tagen stetig zu und haben fast wieder Geburtsgewicht erreicht. Dennoch mache ich mir trotzdem Sorgen, dass es Komplikationen geben könnte. Das verstehen leider viele nicht. Viele Freunde/Bekannte meinen nur, dass es doch nicht so schlimm sei, und das es den Frühchen heutzutage ja gut geht. – Ja, im Moment geht es ihnen auch gut, wofür ich sehr dankbar bin. Aber leider können immer noch Infektionen/Hirnblutungen auftreten, was zu Komplikationen führen kann. Und keiner kann einem sagen, ob dies eintreten wird, oder nicht. Diese Ungewissheit ist einfach nur unerträglich, und aus meinem Kopf nicht raus zu bekommen. Natürlich versuche ich optimistisch zu sein, aber diese Ungewißheit bleibt trotzdem. Ich denke, dass ist auch normal.

Tja, und mein Alltag sieht im Moment etwas stressig aus. (das wird sich ja auch nicht mehr ändern…) Jakob gerecht zu werden ist im Moment auch sehr schwierig, und man merkt, dass er jetzt total an Thomas hängt. So bald Thomas zu Haus ist, bin ich abgeschrieben. Generell ist das Verhältnis zwischen Jakob und mir etwas angespannt. Ich glaube, dieser ganze Stress der letzten Tage war auch zu viel für ihn. Ansonsten verbringe ich natürlich so viel Zeit wie möglich im KH bei den Zwillis. Es ist einfach nur Balsam für die Seele, wenn ich meine beiden Jungs auf meiner Brust habe und wir kuscheln dürfen. (die letzten beiden Tage kam dann auch Thomas in den Genuss)Ich weiß noch gar nicht, wie es gefühlsmäßig Weihnachten wird. Es ist ein total blödes Gefühl, wenn man weiß, dass man zu Haus nicht komplett ist. Das war ach ganz schrecklich, als Thomas mich allein aus dem KH abgeholt hat. Die ersten Tage zu Hause habe ich auch viel weinen müssen, sei es, als ich die Glückwünsche las, oder die Bilder von Philipp und Hugo auf dem Rechner gesehen habe. Ich glaub, diese ganze Geschichte brauch auch noch ein wenig, bis man das verdaut hat. Man fühlt sich irgendwie beraubt, sei es weil man die SS nicht zu Ende genießen durfte, oder weil man seine Kinder nicht um sich haben kann. Man erlebt halt nicht die schöne Kennlern-Zeit, nach der man sich als Elternteil sehnt. (naja, noch nicht – wir werden halt noch warten müssen)

Dies ist einer von insgesamt 22 Artikeln, die Andrea hier verfasst hat.

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